weihnacht

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So langsam kommen die Inder in Weihnachtsstimmung:
Die Plastikweihnachtsbäume werden aufgestellt, alkoholfreier Glühwein wird verteilt und der Busfahrer hupt die gesamte Fahrt über den Rhythmus von Jingle Bells, während die Fahrgäste freudig mitwippen.

reise reise

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Reisetage sind wunderbar. Man steht in der Früh auf. Weiß, man wird am Abend woanders sein. Man bibbert. Wird der Zug fahren? Hat der Bus Verspätung? Wie komme ich jetzt zum Bahnhof? Wo ist der überhaupt?
Und noch während man denkt, sitzt man im Bus und schaut aus dem Fenster. Die durchschnittliche Busfahrt in Indien dauert fünf Stunden. Man hoppelt über Wüstenstraßen, die eigentlich nur plattgefahrener Lehm sind. Wenn man sich hinten hinsetzt, springt man bei so mancher Unebenheit einen halben Meter hoch in die Luft.
Als Nächstes steige ich in den Zug. Ich kaufte ein General Ticket. Diese Tickets werden in unbegrenzter Anzahl verkauft und sind am billigsten. Dementsprechend überfüllt ist das General-Abteil. Der Zug fährt schon. Ich renne nebenher und springe noch schnell auf. Die Türen der indischen Züge stehen immer offen, einladend. Ich quetsche mich zwischen die stehenden, sitzenden, liegenden Inder. Die gestapelten Kinder und Taschen. Es riecht nach Urin und in Fett ausgebratenem Essen, das sehr gut schmeckt. Ich klettere nach oben in eine Gepäckablage. Dort habe ich etwas Platz.
Und während ich den verschiedensten indischen Liedern aus mich umgebenden Handylautsprechern lausche, vergehen die Stunden und ich erreiche mein Ziel.

osten

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Osten Indiens fährt man viel Nachtzug. Und Rad. Da kann es schonmal vorkommen, dass man in Auroville auf einen Inder trifft, der dann 15 Kilometer mit dem Motorrad langsam neben dir herfährt. Gute Gespräche entstehen. Und am Ende zeigt er dir den Strand. Was da so raucht in den Häusern, seien die Leichen.

steine gegen das fenster

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Um 4:30 Uhr letzte Nacht wachten Jani und Mitbewohnerin davon auf, dass ein Inder begonnen hatte, von der Straße aus Steine durch ihre Fenster im zweiten Stock zu schmeißen. Seine Rufe verstanden die zwei Mädchen nicht. Sie schlossen die Fenster und waren froh, dass diese aus Plexiglas waren. Sie gingen wieder schlafen.

tropenkrank

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

man sollte mich jetzt besser nicht anschaun.
das tropische fieber zerfledderte mich. eines nachts stellte ich fest, dass es heißer war als sonst. dann stellte ich fest, dass ich knapp 40 grad fieber hatte. einher damit gingen schmerzen im kopf, die sich langsam durch die wirbelsäule durch das gesamte gerippe ausbreiteten. meine haut hatte bald keine lust mehr auf die hitze. meine arme juckten grausig. mein oberkörper bekam rote pusteln. sowohl diese als auch die haut an meinen händen begann sich im laufe des nachmittags abzupellen. heute krankenhaus. massig tabletten und eine kokosnuss.
meine erste tropenkrankheit.

knöcheltief

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

und eines tages kam mal wieder der bus nicht und wir entschieden uns für einen anderen bus. und wir wateten knöcheltief durch die fluten. sprangen pitschnass durch unser wochenende und spielten ‘nicht den boden berühren’. gerade noch lachten wir über das unwetter, als auch schon die vermieterin klingelte. der hund werfe. aus einem kleinen welpen wurden im laufe des vormittags fünf. und ich lag mit fieber daneben.

endhaltestelle

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

da hat man sonntag. geht zum frisör. dann steht man vorm busbahnhof und weiß nichts mit sich anzufangen. also steigt man in einen bus. fährt für 7 cent eine halbe stunde bis zur endhaltestelle. steigt aus. geht auf den friedhof. unterhält sich mit dem jungen mann über seinen verstorbenen vater. geht durch die straßen. trifft alan. wird zum essen eingeladen. bekommt rote lippen von der schärfe. danach geht man gesammelt zur hochzeit. dort gibts süßigkeiten. man gratuliert. man wird zu weihnachten eingeladen. es gibt ein fischerbootrennen auf dem meer. danach bringt einen alan zum bus. tata. während der bus schon losfährt, schreit man noch schnell zu alan runter, wie denn das dorf hier überhaupt heiße. zuletzt wiegen der bus und der sonnenuntergang einen grob in den schlaf.

nudeln

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die kerze brennt jeden tag.
ich schreibe briefe.
ich warte am postamt.
ich gebe den ameisen auf meinem küchentisch schokolade. zartbitter. gut fürs herz.
die kakerlake darf unter dem herd schlafen.
am montag um fünf beim schneider. jani kriegt einen sari.

wochenende

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

wenn man das alte zerfallene hafengelände verlässt, stolpert man fast über die gebärende ziege. die gebärmutter hängt heraus. drei kleine zicklein stolpern durch den alten gammligen fisch. geht man weiter der hauptstraße nach, erreicht man die busstation. der bus ist überfüllt, weshalb ein kleines mädchen auf meinem schoß sitzt. ihr haarschmuck kitzelt an der nase. der sabber des kleinen jungen, der neben mir schläft, rinnt auf mein bein. ich steige aus. vor mir auf dem boden schläft ein mann, er sieht tot aus. ich frage im geschäft, ob man einen krankenwagen holen könnte. es wird gelacht. inder lachen sehr viel. ich gehe heim. auf der straße bleiben meine schuhe im teer stecken. es war mal wieder zu heiß für den straßenbelag. vor der haustür taste ich den bauch des schwangeren hundes ab und schütte die kacke aus seinem käfig. zuhause wasche ich mir die füße.