straßentiere straßenmenschen

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

dort, wo gerade noch die leiche brannte, schlafen jetzt die hunde. der stein ist noch warm. es ist zeit eine limonade zu trinken.
zur feier der letzten woche wurden lautsprecher errichtet. jede straßenkreuzung in unserem viertel erhielt zwei. große türme. und dann begann die große feier. von halb sieben uhr früh bis zwei uhr nachts war seither nicht an schlaf zu denken. und wenn man die große feier betrat, von der es so laut schallte, sah man nichts außer einer alten oma, die gerade milch kaufte. leere straßen und laute musik. keiner konnte wirklich erklären, weshalb dort diese boxen standen. und die musik schallte weiter.

drachen und leichen

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

man wacht auf vom gesang. der gesang der besagt, dass gerade wieder eine leiche durch die straßen getragen wird. man steht auf, lässt die drei hosen an, die man in der nacht trug, um nicht zu erfrieren und geht zum ganges. dort sitzt man eine stunde und schaut den körpern beim brennen zu. fett spritzt, es stinkt nicht. hände ragen aus den holzscheiten.
die kinder stehen auf den dächern über dir. sie nutzen den wind. lassen ihre drachen steigen. hunderte drachen treiben im aschewind. und am abend bürstest du dir den leichenstaub aus den haaren.

über der welt

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

irgendwann wagt man den aufstieg. und es geht immer höher. affen kreuzen deinen weg und irgendwann ist man oben. die wolken unter dir. nachts deckst du dich mit 5 decken zu und frierst. du ziehst alles an, was du besitzt.
und es ist der schönste sonnenaufgang, während du sitzt und die wolken sich noch nicht einig sind, ob sie gehen oder kommen sollen.

eimer

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die feiertage sind vorbei. an weihnachten beherbergten wir vier welpen in unserer wohnung, weil ihr zuhause vor lauter regen davonschwamm. es gab den ersten wein nach 4 monaten entzug.
morgen früh um halb 5 vermischen sich zwei welten. der werte herr freund – hier muss ich ihn als verlobten ausgeben – kommt, samt katha. wehe ihnen gefällt meine neue welt nicht!

ps: so sieht ein klo in kanyakumari aus. um uns dieses grandiose zimmer leisten zu können, schliefen wir zu dritt im doppelbett.

ashram

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

an dieser stelle ein dank an all die ashrams, in denen ich eine weile verbrachte und noch verbringen werde. in euch lernte ich die verrücktesten leute kennen, kleidete mich weiß und aß vom boden (unteres bild: speisesaal). durch euch gelangte ich zu meinen verwegendsten magenkrankheiten und lernte die hohe kunst der meditation.
in euren fittichen lebte ich sehr günstig und spartanisch. ich musste feststellen, dass all das, was deutsche sofort als “sekte” bezeichnen, hier in indien mit offenen armen begrüßt wird.

danke liebe ashrams, dass ihr mich aufnahmt und so gut lehrtet.

 

 

weihnacht

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So langsam kommen die Inder in Weihnachtsstimmung:
Die Plastikweihnachtsbäume werden aufgestellt, alkoholfreier Glühwein wird verteilt und der Busfahrer hupt die gesamte Fahrt über den Rhythmus von Jingle Bells, während die Fahrgäste freudig mitwippen.

reise reise

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Reisetage sind wunderbar. Man steht in der Früh auf. Weiß, man wird am Abend woanders sein. Man bibbert. Wird der Zug fahren? Hat der Bus Verspätung? Wie komme ich jetzt zum Bahnhof? Wo ist der überhaupt?
Und noch während man denkt, sitzt man im Bus und schaut aus dem Fenster. Die durchschnittliche Busfahrt in Indien dauert fünf Stunden. Man hoppelt über Wüstenstraßen, die eigentlich nur plattgefahrener Lehm sind. Wenn man sich hinten hinsetzt, springt man bei so mancher Unebenheit einen halben Meter hoch in die Luft.
Als Nächstes steige ich in den Zug. Ich kaufte ein General Ticket. Diese Tickets werden in unbegrenzter Anzahl verkauft und sind am billigsten. Dementsprechend überfüllt ist das General-Abteil. Der Zug fährt schon. Ich renne nebenher und springe noch schnell auf. Die Türen der indischen Züge stehen immer offen, einladend. Ich quetsche mich zwischen die stehenden, sitzenden, liegenden Inder. Die gestapelten Kinder und Taschen. Es riecht nach Urin und in Fett ausgebratenem Essen, das sehr gut schmeckt. Ich klettere nach oben in eine Gepäckablage. Dort habe ich etwas Platz.
Und während ich den verschiedensten indischen Liedern aus mich umgebenden Handylautsprechern lausche, vergehen die Stunden und ich erreiche mein Ziel.

osten

jetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Osten Indiens fährt man viel Nachtzug. Und Rad. Da kann es schonmal vorkommen, dass man in Auroville auf einen Inder trifft, der dann 15 Kilometer mit dem Motorrad langsam neben dir herfährt. Gute Gespräche entstehen. Und am Ende zeigt er dir den Strand. Was da so raucht in den Häusern, seien die Leichen.